Talk mit dem Gerd Müller des Ostens

Marc Körsten, 22.06.2021

Talk mit dem Gerd Müller des Ostens

FUSSBALL Joachim Streich beendete seine Karriere einst in Gräfenhainichen.

GRÄFENHAINICHEN/MZ - Boris Becker war Mitte Oktober nicht- wie ursprünglich geplant - in Wittenberg, sondern in Dessau. Der Tennis-Weltstar war der bisher letzte Gast in der beliebten Veranstaltungsreihe „Anhalt Sporttrifft Legenden“ des gleichnamigen Ausrichters und sprach damals im Golfpark vor 400 Zuschauern ausgelassen über seine Laufbahn. Mindestens genauso viel zu erzählen hat der nächste Gast, wenn das Format nach der Corona-Pause wieder zurückkehrt. Wie Anhalt Sport mitteilt, ist Joachim Talk mit dem Gerd Müller des Ostens Streich am 24. Juni zum Talk im Radisson Blu Hotel in Dessau. Streich war der Inbegriff für Tore und ewige Bestmarken im DDR-Fußball: Oberliga-Rekordschütze mit 229 Toren, Rekordnationalspieler mit 102 Länderspielen und Länderspiel-Rekordschütze mit 55 Treffern. „Von den Zahlen ist er der Gerd Müller des Ostens. Wenngleich er aber ein ganz eigener Spielertyp war“, sagt Ralph Hirsch, der Direktor von Anhalt Sport, der den 70-Jährigen zum Talk geholt hat. Tickets sind für zehn Euro erhältlich. Streich wurde in Wismar geboren und hat dort auch seine ersten Schritte auf dem Fußballplatz gemacht. Später spielte der Stürmer einige Jahre für Hansa Rostock - vor allem verbindet man ihn aber mit dem 1. FC Magdeburg. Drei FDGB-Pokalsiege, Europacup-Schlachten gegen Schalke, Eindhoven, Gladbach, Arsenal oder den FC Barcelona, mit den Virtuosen Diego Maradona und Bernd Schuster auf dem Rasen - Streich hat beim FCM alles erlebt. In all seinen zehn Jahren beim Club erzielte er die meisten Tore, viermal wurde er Torschützenkönig in der Oberliga. Der britische Kolumnist Eric Beatty schrieb einmal: „Dieser Streich ist ein Phänomen, für mich der eigentliche Fußballer Europas.“ 1985 beendete er seine aktive Laufbahn. Nach Trainerstationen in Magdeburg, Braunschweig und Zwickau wird er 1998 beim Verbandsligisten VfL Gräfenhainichen als Berater engagiert. Danach war endgültig Schluss. „Ich wollte nicht mehr aus dem Koffer, sondern mit meiner Familie leben“, hat Streich vor kurzem erzählt. Heute genießt er seinen Alltag als Pensionär, werkelt gern in seinem Garten und hält sich auf dem Fahrrad fit. Den Fußball hat er trotzdem noch immer im Blick